Der Dornröschenschlaf der Sozialen Innovationen fand mit Sozialen Medien und der Bankenkrise sein abruptes Ende. Open Innovation, Netzwerke und Partizipationsmethoden bringen heute neue Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen. Das living grätzel – ein „Social Pop-Up“ für den öffentlichen Raum – demonstriert das Potenzial sozialer Innovationen.

Eigentlich hat Joseph Schumpeter – „Denke immer das Neue ins Offene“ – schon vor etwa 100 Jahren den Innovationsbegriff für (Volks)Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eingeführt. Breit diskutiert wurde er in den letzten Jahrzehnten vor allem in den Bereichen Produkt/ion, Technik und Organisation. Scheinbar benötigte es medientechnische Innovationen und eine Bankenkrise, damit Konzepte zur Sozialen Innovation auf die Agenda kamen.

Warum Soziale Innovationen?

Heute vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Formen der Kommunikation, der Zusammenarbeit, des Wissensaustauschs oder geänderte Lebensstile konzipiert oder erprobt werden. Innovation verläuft nicht mehr von der Forschung zur Produktentwicklung, sondern findet als komplexer sozialer Prozess statt. Kunden oder BürgerInnen entwickeln im Zusammenspiel mit Wirtschaft, Forschung oder Politik neue Lösungswege zu gesellschaftlichen Herausforderungen. Open Innovation, Netzwerke oder Partizipationsmethoden sind dazu erprobte Konzepte.

Die Ziele Sozialer Innovationen sind oftmals Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, vorhandene Ressourcen besser zu nützen oder Veränderungsprozesse in Gang zu bringen.(1) Anette Scoppetta vom ZSI beschreibt den Weg zu Sozialen Innovationen anhand von vier „i-Phasen“: Ideenfindung, Intervention (experimentelles Testen), Implementierung sowie Impact (Wirkung, Akzeptanz).

living grätzel – Die Stadt neu erleben!

Ein gerade fertig gestelltes Beispiel für Soziale Innovation im öffentlichen Raum ist das living grätzel.(2) Die Stadt aus einer neuen Perspektive erleben zu können – besonders an Orten, die heute weder ein Zentrum noch einen verkehrsberuhigten Bereich haben – ist schwierig. Mit dem „Social Pop Up“ wird der öffentliche Raum jedoch im Handumdrehen zu einem Platz für gemeinsame Gespräche, Kreativität, Spielen, Tauschen, Essen, Gestalten, Garteln, digitale Vernetzung und andere Aktivitäten. Ob in einer Gasse, Straße, Parklücke oder als Zwischennutzung eines unbebauten Grundstücks – BewohnerInnen können sich die fertigen Elemente des living grätzel ausborgen und damit einen Platz zu neuem Leben erwecken, Nachbarschaft aktiv leben und diesen Ort aus einer neuen Perspektive erleben. Die temporäre Umgestaltung eröffnet einen Ort für lokale Partizipation, kreative Zusammenarbeit und Freude an der Stadt, an dem nachhaltige Veränderungen angeregt werden. Wenn unser Konzept gefällt, freuen wir uns bis 20.07.2014 über das Publikumsvoting.

Wohl können Soziale Innovationen wie Netzwerke, Sharing-Konzepte oder Open-Innovation Angebote nicht alle wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit lösen. Sie bieten aber nichtsdestotrotz sehr gute Wege, um auf Veränderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Lösungen und Antworten im Dialog zu finden.

Living Grätzel (CC) Kühnberger, Lindinger, Marschall www.living-graetzel.at

(1) Gerade in einer smart city werden technologische Innovationen ohne Einbindung der StadtbewohnerInnen nicht angenommen werden.
(2) Das Projekt wurde von Peter Kühnberger, Andreas Lindinger und Claudia Marschall konzipiert und beim depature Ideenwettbewerb 2014 eingereicht. Die Phasen Testen, Implementierung und Wirkungsmessung warten noch auf ihre Umsetzung 🙂

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