Das Weiße Haus erklärt Partizipation in 12 Spielzügen. Was unterscheidet den US-Leitfaden für öffentliche Beteiligung – das Public Participation Playbook – zu vergleichbaren deutschsprachigen Werken?

 

Partizipation am Spielfeld

Das Playbook – ein ausgeborgter Begriff aus der Welt des Baseball – soll alle Spielzüge einer Mannschaft vermitteln. Im Fall des Public Participation Playbook werden vor allem Checklisten, weiterführende Informationen zu Best Practice Beispielen sowie Messmöglichkeiten beschrieben. In 12 Spielzügen werden die folgenden Bereiche beschrieben: Ziel festlegen, Spielfeld verstehen, Beteiligung designen, Beteiligung erleichtern und evaluieren/berichten.

Was können wir in Europa davon lernen?

Im Vergleich zu deutschsprachigen Handbüchern und Leitfäden zur Partizipation – wie auch dem von uns entwickelten zur Stadtentwicklung – fallen doch recht bald folgende Unterschiede auf. Während hiesige Handbücher meist ins Thema einführen, Begriffsklärungen vornehmen und bei Partizipationsmethoden Vor- und Nachteile darlegen, fokussiert das etwa 17-seitige U.S. Participation Playbook besonders auf Checklisten und eine Sammlung an externen Ressourcen, bei denen man tiefer ins Thema eintauchen kann.

Intensiver Zugang auf Zielgruppen
An zahlreichen Stellen des amerikanischen Participation Playbook wird die Wichtigkeit des Einbindens betroffener Zielgruppen des Partizipationverfahrens genannt – mit Datenanalysen im Vorfeld, einer Kommunikationsstrategie, Evaluierungen während der Laufzeit oder mit zielgruppengerechter Kommunikation und Bewerbung bspw. im Umgang mit Minderheiten. Die Erkenntnis mehr Ressourcen in die Zielgruppenanalyse und die differenzierte Ansprache bzw. Bewerbung aufzuwenden, wäre für viele Beteiligungsprojekte in unseren Breitengraden ein Qualitätssprung im Ergebnis.

Messbarkeit
Im U.S. Participation Playbook nimmt die Evaluierung und Messbarkeit von Beteiligung eine zentrale Rolle ein – nicht nur durch Social Media Analytics, Klickraten oder der Anzahl an TeilnehmerInnen, sondern auch im Vergleich zu den eingesetzten (Werbe)Mittel. Weniger Raum bekommt hingegen die Messung der eingebrachten Qualität in Beteiligungsprozessen – ein Bereich, der in der deutschsprachigen Literatur weitaus mehr beachtet wird.

Mobile & Online-Partizipation
Seltener finden in den deutschsprachigen Handbüchern flexible und mobile Online-Techniken nähere Betrachtung. So nennen diese HTML5 oder CSS und responsives Webdesign (für mobile Endgeräte optimierte Darstellungen). Alternativen Kommunikationskanälen wie SMS oder IVR wird in den USA ebenso hohe Bedeutung beigemessen.

Medienübergreifender Mix
Die verschiedenen Spielweisen der Online-Partizipation und deren Kombination mit traditioneller Offline-Partizipation werden als Selbstverständlichkeit dargestellt. Somit werden im U.S. Playbook immer wieder die Verwendung des Melderegisters, SMS, Postwurfsendungen, Flyer, E-Mails, Soziale Medien und Web in „einem Atemzug“ genannt.

Lessons learned: intensiv zielgruppenspezifisch und medienübergreifend kommunizieren!

Zwar sind einzelne Staaten in Europa nicht vergleichbar mit den USA, dennoch möchte ich einen Vergleich wagen. In den USA gibt es starke gesellschaftliche Diversität und auch in einzelnen Ländern in Europa nimmt diese laufend zu. Dazu kommt, dass es meist schwieriger wird, BürgerInnen für Beteiligungsverfahren zu erreichen. Aus diesem Blickwinkel heraus ist die Auseinandersetzung mit dem U.S. Playbook spannend. Die Selbstverständlichkeit, mit der Kommunikationsstrategien in Partizipationsprojekten geplant, diese mit breiten (zielgruppenspezifisch differenzierten) Methoden eingesetzt und in Folge deren Wirkungen gemessen wird, sucht hierzulande jedenfalls Vergleichbares.

Erstellt von Peter Kühnberger mit Beiträgen von Mirijam Mock.

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