Blogbeitrag
Die Wiener Demokratie-Strategie ist da: Drei Impulse für eine starke Beteiligungskultur

Die Wiener Demokratie-Strategie stärkt Teilhabe. Unsere drei Impulse zeigen, wie Beteiligung inklusiver und gerechter wird.
Mit der im Oktober 2024 beschlossenen Wiener Demokratie-Strategie gibt sich die Stadt Wien einen Rahmen, wie Demokratie gefördert, weiterentwickelt und gestärkt werden kann. Die Strategie reagiert auf aktuelle Herausforderungen: das Erstarken politischer Bewegungen, die Demokratie abbauen wollen, die wachsende Chancenungleichheit, die politische Spaltung und die Zunahme der Wohnbevölkerung ohne Wahlrecht (Zweidrittel-Demokratie). All das macht deutlich: Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie muss aktiv gestaltet und verteidigt werden – durch kollektive Anstrengungen und kontinuierliche Arbeit.
Ein besonders drängendes Problem in Wien ist der Ausschluss von knapp einem Drittel der Bevölkerung von Wahlen. Im 15. Bezirk, wo wir das Grätzllabor als niederschwelliges Mitmachangebot begleiten dürfen, sind es sogar 44 %. Viele Menschen, die hier leben, arbeiten, Steuern zahlen und das Stadtleben mitgestalten, sind direkt von politischen Entscheidungen betroffen, dürfen aber nicht mitbestimmen.
Vor diesem Hintergrund ist die Veröffentlichung der Strategie ein wichtiges Signal. Sie legt den Fokus auf die Stärkung der Mitbestimmung und Teilhabe von unterrepräsentierten und benachteiligten Gruppen. Dabei wird klar: Systematische Ungleichheiten lassen sich nicht durch ein einzelnes innovatives Beteiligungsformat ausgleichen. Es braucht Anstrengungen auf unterschiedlichen Ebenen, um die Ursachen der Benachteiligung zu bekämpfen und gleichzeitig eine Kultur der Einbeziehung, des Vertrauens und des Miteinanders zu etablieren.
Unsere drei Impulse für die Beteiligungspraxis
1. Neues ausprobieren und Zeit zur Reflexion nehmen
Inklusive Beteiligung entsteht nicht von selbst. Sie erfordert Mut zum Experimentieren und Räume, in denen wir gemeinsam lernen können. Politische Entscheidungen auf breite gesellschaftliche Beine zu stellen heißt, Prozesse immer wieder zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
2. Mitbestimmung als alltägliche Praxis denken
Demokratie darf nicht auf Wahlen oder punktuelle Beteiligung bei Stadtentwicklungsprojekten beschränkt bleiben. Für uns als Praktiker:innen bedeutet das: Haltung zeigen und eine Kultur fördern, in der Mitbestimmung und Miteinander selbstverständlich sind – im Alltag, in Organisationen, in Nachbarschaften.
3. Beteiligung strukturell gerecht gestalten
„Beteiligung für alle“ funktioniert nur, wenn wir aktiv Ungleichheiten ausgleichen. Das heißt:
- Barrieren abbauen – durch mehrsprachige Materialien, barrierefreie Räume, flexible Formate und bspw. Kinderbetreuung.
- Ressourcen bereitstellen – etwa Aufwandsentschädigungen, Fahrtkostenübernahme oder digitale Zugänge, damit auch Menschen mit wenig Zeit oder Geld teilnehmen können.
- Vertrauen aufbauen – indem wir kontinuierlich Präsenz zeigen, Beziehungen pflegen und transparent kommunizieren, wie Beteiligung wirkt – und wie nicht.
Nur so wird Beteiligung nicht zum Privileg derjenigen, die ohnehin gut vernetzt sind, sondern zu einem Instrument für mehr Gerechtigkeit.
Die Wiener Demokratiestrategie ist ein wichtiger Schritt, um Demokratie in der Stadt widerstandsfähiger und inklusiver zu machen. Für die Beteiligungspraxis heißt das: Wir müssen über Formate hinausdenken und gemeinsam daran arbeiten, dass Mitbestimmung nicht Ausnahme, sondern gelebte Normalität wird.