Transdanubien, wie man es salopp nennt, hat viel Potenzial für die Stadtentwicklung

Ich lebe seit mehr als 25 Jahren in Wien, meine Ankommensorte waren in Ottakring, mein Gymnasium in Hernals, meine erste Wohnung in Währing. Neun Jahre lang habe ich für die „Sanfte Stadterneuerung“ in Hernals und Währing gearbeitet. Die Stadtteile westlich des Gürtels sind daher meine Heimat, obwohl ich seit mehr als zehn Jahren im Süden Wiens zu Hause bin.

2018 ist noch jung, aber für mich schon voller neuer Erfahrungen. Start der neuen Auftragsperiode der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, Fokussierung auf Stadtteilmanagement, Ausweitung der Dienstleistungen auf ganz Wien und manches mehr brachte mich heuer zu meinem neuen Arbeitsort in Floridsdorf und Donaustadt.

Jenseits und diesseits

Wir Wienerinnen und Wiener kennen die Urban Legends über jenseits und diesseits der Donau, dass es die Stadt nur auf der einen Seite gäbe, dass die Luft doch auf der anderen besser wäre, und wenn man einmal hinüberzieht, nie mehr „in die Stadt“ zurückkommt. Jenseits der Donau habe ich bisher weder gelebt noch gearbeitet. Jenseits der Donau ist auf meiner persönlichen Mindmap ein anderes Wien. Der Westgürtel hat mich bisher so in den Bann gezogen, da habe ich ganze Stadtteile aus dem Blick verloren.

Jetzt arbeite ich seit ein paar Monaten hier, für mich jenseits der Donau. Jeden Tag fahre ich über den großen Fluss, genieße den weiten Blick und tauche in mein neues Arbeitsfeld ein. Vieles wartet noch darauf entdeckt zu werden und ich kann jetzt schon sagen, dass es sehr spannend ist und sicher noch spannender werden wird. Die Vielfalt der Räume, Funktionen und der Bewohner begeistert mich, die Weite der pannonischen Ebene überwältigt mich und die Bereitschaft der Menschen an neuen Projekten zu arbeiten inspiriert unglaublich. Ich werde mich vor allem mit dem Stadtraum um den Schlinger Markt beschäftigen, einem Markt im Dornröschenschlaf, den wir langsam mit engagierten Menschen aufwecken möchten. Floridsdorf und Donaustadt tragen große Aufgaben für unsere Stadt. Nicht nur, weil es Bezirke sind, wo es noch viel Reserve für Weiterentwicklung gibt. Es ist vor allem die Vielfalt der Möglichkeiten und der verschiedenen (auch lokalen) Akteure, die das Potenzial in sich tragen, neue lebenswerte und spannende Stadtteile für uns alle gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen. Floridsdorf und Donaustadt, mein neues Arbeitsfeld, ich bin da!

Erschienen am 30.04.2018 auf derstandard.at, Userblog stadt.teil.haben;

Amila Širbegovic, Architektin, Migrations- und Stadtforscherin, bloggt über die Stadtteilarbeit in Wien und schildert persönliche Eindrücke aus ihrem Arbeitsalltag als Gebietsbetreuerin. Amila ist seit Anfang 2018 im Team von Dialog Plus und bringt ihre Expertise aus der Stadtteilarbeit ein.

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