Die Corona-Pandemie hat notgedrungen einen Innovationsschub in digitaler Beteiligung angestoßen. Welche Lehren sind aus den Erfahrungen des letzten Jahres zu ziehen? Und wie kann man E-Partizipation sinnvoll planen und umsetzen?

Damit befassen sich nun zwei Praxishandbücher. Das Grünbuch zu digitaler Partizipation des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport soll in seiner finalen Version die Standards der Öffentlichkeitsbeteiligung auf den neuesten digitalen Stand bringen. Auch das Amt der Vorarlberger Landesregierung will mit dem online publizierten Inspirationshandbuch dazu beitragen, die Qualität von E-Partizipation zu erhöhen.

Analoge und E-Partizipation kombiniert denken

Online- und Offline-Methoden müssen stärker verschränkt gedacht werden. Das ist der Tenor beider Publikationen. Das Ziel soll eine möglichst breite und qualitativ hochwertige Beteiligung definierter Zielgruppen sein. Und das funktioniert häufig am besten in Kombination. So kann beispielsweise eine analoge Einladung per Post das Vertrauen stärken, um an einer digitalen Veranstaltung teilzunehmen.

Neben dieser zentralen Message und der Beteiligung von Expert*innen aus Praxis, Verwaltung und Politik an der Erstellung ist den beiden Publikationen aber wenig gemein.

Einfach mal ausprobieren!

So lautet das Credo des Inspirationshandbuchs. Der Hauptteil ist sieben unterschiedlichen Beteiligungsprojekte gewidmet, die im Zuge von Corona vom physischen in den digitalen Raum transferiert wurden. Darunter Bürger*innenversammlungen, eine Klimakonferenz und Ko-Design Workshops.

Die grafisch und inhaltlich aufbereiteten Beispiele liefern eine Vielzahl an praktischen Tipps, Ideen und weiterführenden Ressourcen zu erfolgreicher Prozessgestaltung, sowie Rahmenbedingungen, Administration, Methoden und Tools digitaler Partizipation.

(E-)Partizipation im Policy Cycle

Einen anderen, nämlich konzeptuellen Fokus hat das Grünbuch. Es verortet Beteiligung im Politikzyklus, also den Phasen der Ideenfindung, Formulierung, Entscheidung, Implementierung und Evaluierung. Damit rückt die strategische Frage in den Vordergrund, welche Methoden uns helfen definierte Ziele unter den Rahmenbedingungen unterschiedlicher Politikphasen am besten zu erreichen.

Eine “nutzer*innenorientierte Richtschnur für partizipative Prozesse” ist das Grünbuch in seiner jetzigen Form allerdings noch nicht. So sind Leitprinzipien und Wahl von Methoden und Tools nur fünf der 65 Seiten gewidmet und Anwendungsbeispiele finden sich erst im Anhang als bloße Auflistung.

Ein Blick in beide Publikationen lohnt sich

Tolle Ideen und Tipps für integrierte Beteiligungsprojekte finden sich im Inspirationshandbuch. Das Grünbuch hingegen hilft unser theoretisches Fundament für die Beteiligungspraxis zu schärfen.