Blogbeitrag

Genug gedacht – lasst uns gemeinsam bauen!

Vom Skeptiker zum Fan: Warum wir mit Legosteinen Probleme lösen. Vier intensive Tage und einen Abend verbrachte ich mit der Zertifizierungs-Ausbildung der „association of the master trainers in the LEGO® SERIOUS PLAY® method“ – ein großes Investment für mich. Warum entschied ich mich dafür? Was steckt hinter der Methode? Warum ist sie so anders als andere Partizipationsmethoden?

In den letzten Jahren machte ich immer wieder sehr positive Erfahrung mit der Kraft, die im gemeinsamen Umsetzen, Werken oder Tun steckt. Egal ob in einem Bauworkshop für eine Sitzbank oder mit Partizipationsmethoden, wo die Arbeit mit den eigenen Händen im Vordergrund steht. So entstanden beispielsweise mit Karton, Schere und Kleber schnelle Prototypen für Umgestaltungen. Mit Luftballonen, Pfeifenputzern, Figuren und abstrakten Gegenständen bauten wir mit begeisterten Teilnehmenden „Kunstwerke“ beispielsweise zum Thema Soziale Innovation.

Von persönlicher Skepsis zu Begeisterung

In den 1990-er, mitten in einer schweren Krise des dänischen Spielwarenherstellers, entwickelte LEGO die Moderations- und Problemlösungsmethode LEGO® SERIOUS PLAY®. Das wissenschaftliche Fundament für LSP war umfangreich.1 Einige Jahre beobachtete ich LSP bereits in meinem Umfeld. Wie gut funktioniert sie für uns? Ist sie nur eine Masche eines großen Unternehmens, um seine Marke zu stärken? Im letzten Jahr wollte ich das für mich klären. Ich las mich in den etwas in die Jahre gekommenen Open Source Teil von LSP ein und war erstaunt, wie gut die Methode für die Arbeit mit Gruppen und in komplexen Systemen einsetzbar ist.2

Danach kontaktierte ich Gerald Wintersperger, der in den letzten Jahren intensiv mit LSP in Wien arbeitete. Es war ein herzlicher Austausch und sein Ratschlag war eindeutig: Gehe nicht zu den 1- oder 2-tägigen Kursen – dort fehlt es dir an Selbsterfahrung und Übung für komplexere Begleitungen. Gehe zu den „Master Trainern“! Michel Closterman kommt gerade nach Wien … und so begann meine LSP-Reise. Gerald sollte Recht behalten, dass ich danach begeistert sein werde. 😊  

Alle bauen über das intuitive Lego-Spiel an einer Lösung

Der große Nutzen der Moderations- und Problemlösungsmethode ist die non-verbale Einbindung aller. Über das intuitive Tun der Hände baut jede:r an der Lösung mit. Alle wählen aus speziellen Legosteinen aus und bauen ihr eigenes Modell. Durch die ausschließliche Kommunikation über das Modell werden übliche Gesprächsmuster umgangen und das kreative Denken angeregt. Dabei geht es nicht um die Schönheit eines Modells, sondern um seine Bedeutung. Unabhängig von Alter, Ausbildung, Kultur oder Position tragen die Teilnehmenden mit ihren dreidimensionalen Modellen und den sehr klar strukturierten Folgeschritten zur Lösungsfindung bei.

Das Herzstück: 7 Anwendungstechniken und immer tiefer gehende Fragen

Während das Interesse im Workshop auf den Modellen bleibt, erleben die Teilnehmenden mit den Modellen und ihren Fragestellungen eine Weiterentwicklung. Von zahlreichen einzelnen Modellen zu einem gemeinsamen, von der gemeinsamen Erzählung zur Systemvisualisierung, über das Bilden von Verbindungen, dem Bau eines Systems, dem Testen des Systems mit plötzlich eintretenden Ereignissen und schließlich dem Ableiten von einfachen Leitprinzipen. Für jeden Workshop werden aus diesen sieben Anwendungstechniken3 einzelne davon kombiniert. Als LSP-Facilitator lade ich Teilnehmende mit Fragestellungen zu unterschiedlichen „Bau-Challenges“ ein. Dabei gehen die Fragen immer mehr ins Detail. Die Personen bauen so selbst an ihren eigenen Lösungen mit.

Als Facilitator leite ich zum Finden eigener Antworten und Lösungen an

Dieses gemeinsame Bauen an der Lösung ist ein unschätzbarer Wert für die spätere breite Akzeptanz von Entscheidungen aus LSP-Workshops. Das gemeinsame Verständnis für Ausgangssituation, Lösungsweg und nächste Schritte bietet allen einen klaren Bezugsrahmen der sich positiv auf Motivation, künftige Zusammenarbeit und Lösungsfähigkeit nach dem Meeting auswirkt.

LSP hilft dort, wo komplexe Fragen keine einfachen Antworten haben. Ich begleite als Facilitator bei:

  • Strategiemeetings: Gemeinsame Visionen greifbar machen.
  • Innovationsprozessen: Prototypen für neue Ideen entwickeln.
  • Teamentwicklung & Konfliktmanagement: Kommunikation über Modelle statt über Vorwürfe.
  • Projektentwicklung: Systemische Abhängigkeiten frühzeitig erkennen.

Spezielle Legosteine und ein klar strukturiertes Vorgehen – let’s start building!

Wie es der Zufall so wollte, erzählte mir mein Sparringpartner Gerald, dass er soeben erst in den Ruhestand gegangen war. So konnte ich die für das Training notwendigen speziellen Legosteine von ihm kaufen – eine nachhaltige Lösung für uns beide. Vielen Dank Gerald für dein persönliches LSP-Mentoring und Michel für die angewandte Wissensvermittlung mit viel Erfahrung und wertvollen Tipps!

In den letzten Wochen setzte ich mein LSP-Wissen und die neuen Steine bereits ein. Die tollen Ergebnisse bei der Veranschaulichung eines Wissenstransfer, bei einem Teambuilding, für Ideenfindung und eine Strategieentwicklung motivieren mich sehr LSP als weitere Methode zu unserer „partizipativen Werkzeugkiste“ hinzuzufügen und als LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator zu arbeiten.

  1. Der wissenschaftliche Methoden-Kern von LSP stammt aus den Bereichen Management, Organisationsentwicklung, Psychologie und Lernforschung. Die Theorien zu Konstruktionismus, Spiel, Imagination und Identität stehen dabei im Zentrum – nachzulesen im englischen Original hier und in Deutsch hier. ↩︎
  2. Die mittlerweile veraltete Open Source Einführung in LSP stellt insbesondere den Start mit den Steinen sowie zwei der sieben Anwendungstechniken vor. Das Bauen von individuellen und gemeinsamen Modellen und die Erzählung dazu. Darin nicht enthalten sind die Techniken “building a system”, “playing emergence & decisions” sowie “extracting simple guiding principles”.  Lediglich erwähnt, aber nicht ausgeführt, werden die beiden Techniken „creating a landscape“ und „making connections“ – Open Source Introduction to LSP. ↩︎
  3. siehe 2. ↩︎

Disclaimer: LEGO® und LEGO® SERIOUS PLAY® sind eine Marke der LEGO® Gruppe. Die Inhalte oder Workshops mit LEGO® SERIOUS PLAY® sind weder von LEGO® gesponsert noch autorisiert.