Projekt

Schüler:innenhaushalt Bludenz und Rankweil

Planungsteam Bludenz © DIALOGPLUS, Peter Kühnberger

Mit den Pilotprojekten fördert das Land Vorarlberg Mitbestimmung an zwei Schulen. Schüler:innen lernen Demokratie und gestalten das eigene Schulumfeld.

Die beiden Pilotprojekte an Vorarlberger Schulen wurden mit fast 90% Wahlbeteiligung ein voller Erfolg.

Kurz vor Ostern war Wahltag an den Mittelschulen in Bludenz und Rankweil West, der Höhepunkt für die Jugendlichen der beiden Planungsteams. In einem mehrmonatigen Beteiligungs-, Demokratielern- und Selbstermächtigungsprojekt handelten diese die Spielregeln für das Projekt aus, sammelten in der ganzen Schule Ideen, diskutierten Wahlvorschläge, bewarben das Projekt und waren für den Wahltag und die Umsetzung verantwortlich.

Über 469 der insgesamt 531 Schüler:innen stimmten über die Wahlvorschläge mit einem Budget von 3.000, – Euro pro Schule ab. Das Projekt wurde vom Land Vorarlberg zur Stärkung der Demokratie, Selbstorganisation und Ermächtigung aller jungen Menschen finanziert. DIALOGPLUS durfte die beiden Schulen begleiten, nachdem wir das Konzept des Schüler:innenHaushalts 2015 in Zusammenarbeit mit der Berliner Servicestelle Jugendbeteiligung an österreichische Schulen gebracht hatten. Mit unterschiedlichen Herangehensweisen laufen Rankweil und Bludenz nun mit den Wahlergebnissen in die Zielgerade ein.

Jugendliche im Planungsteam übernehmen für die Umsetzung des Projekts Verantwortung

In der Sportmittelschule und Mittelschule Rankweil West startete der Schüler:innenHaushalt nach dem Ausfall einer Begleitlehrerin mit engagierter Unterstützung der Schulsozialarbeiterin. Diese organisierte die Treffen des Planungsteams, erinnerte die Schüler:innen an Termine und unterstützte, wenn sie nicht weiter wussten. Es entstand ein von den jungen Menschen selbst getragenes Projekt und ein gruppendynamischer Prozess innerhalb des Teams. Das Planungsteam bestand aus den Schüler:innen der dritten Klassen. Der Vorteil war, dass diese auch nach der Umsetzung das Ergebnis im kommenden Schuljahr erleben werden. Auch sind diese unter den Schüler:innen gut vernetzt. Zum Wahltag am 20. März wurden Wahlkabinen und Wahlurnen aufgestellt. Das Planungsteam fungierte als Wahlkommission. Mehr als die Hälfte der Wähler:innen stimmten für den Vorschlag der Sitzsäcke, wobei nun für jede Klasse zwei qualitative Sitzsäcke angeschafft werden. Der Direktor der Schule ist über den Teamgeist des neu gegründeten Planungsteam sehr erfreut und möchte mit den Jugendlichen in den kommenden Monaten die Erstellung eines Leitbilds angehen.

In der Mittelschule Bludenz war es nach dem Ausfall von zwei Begleitlehrern notwendig, dass die Direktorin die Begleitung des Schüler:innenHaushalt stärker unterstützte. Das Planungsteam bestand aus Vertreter:innen jeder Klasse. Das führte einerseits zu einer hohen Diversität der Gruppe, Multiplikator:innen in jeder Klasse, erschwerte andererseits aber die Organisation der Planungstreffen und war wegen der Gruppengröße auch nicht so einfach in der Umsetzung.In fünf Treffen wurden die einzelnen Abschnitte des Projekts organisiert und es gab eine große Vorfreude auf den Wahltag. Gewählt wurde in Zeitabschnitten pro Klasse, unter Berücksichtigung der Schularbeiten, mit Wahlkabine, Wahlurne und Wahlhelfer:innen – den Jugendlichen aus dem Planungsteam. Die Wahlbeteiligung war wegen zahlreicher Krankmeldungen an dem Tag etwas niedriger als in Rankweil. 99 Stimmen wählten einen Boxautomat, dessen Einnahmen für einen guten Zweck gespendet werden sollen. Platz zwei belegte mit 81 Stimmen die Idee eines Schulfest.

Gelungene Selbstermächtigung und freudige Demokratieerfahrung

In beiden Schulen war eine große Begeisterung für das Projekt zu spüren. Verantwortung übernehmen zu dürfen und einen Entscheidung selbst treffen zu können, die allen dann zugite kommt hat viele Wahlberechtigte an den Schulen für den Schüler:innenHauhalt motivert. Auch gab es an beiden Schulen positive Nebeneffekte. So hat das Projekt geholfen die Wünsche der Schüler:innen aufzuzeigen, die auch außerhalb dieses Projekts für die Direktionen wichtig waren für künftige Maßnahmen zu erfahren. DIALOGPLUS half den Begleitpersonen in mehreren Treffen, online und vor Ort, bei der erfolgreichen Umsetzung des Projekts, bei Unsicherheiten und diente als Schnittstelle zwischen dem Land Vorarlberg und den Schulen. Wir würden uns freuen, wenn die Zahl der Schüler:innen, die eine solch positive Demokratieerfahrung machen können, in Vorarlberg und Österreich größer wird.


Einladung in das Landhaus geplant

Nach Umsetzung der Maßnahmen werden die damit verbundenen Aktivitäten von mitwirkenden Jugendlichen im Landhaus Bregenz präsentiert. Hier findet zudem ein informeller Austausch mit den Jugendsprechenden des Vorarlberger Landtags zu Themen der Landesentwicklung statt. Die Idee hat in Deutschland, genauer gesagt in Berlin und Brandenburg, schon länger Fuß gefasst. Bis jetzt durften dort schon über 600.000 Schüler:innen beim Schüler:innenHaushalt mitmachen. Es wäre toll, wenn auch in Vorarlberg und anderen Bundesländern in Österreich noch vielen jungen Menschen diese Chance zur altersgerechten und Lebenswelt nahen Jugendbeteiligung erhalten.